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Periphere arterielle Durchblutungsstörungen
27.
Durchblutungsstörungen
27.1 venöse
Durchblutungsstörungen
27.2 arterielle Durchblutungsstörungen
Arterielle (= eine Schlagader betreffende) Durchblutungsstörungen können akut (= plötzlich einsetzend, heftig) oder im Rahmen einer chronischen Gefäßerkrankung, einer sog. Arteriosklerose (= Arterienverkalkung), an zahlreichen Stellen im menschlichen Körper auftreten. Heutzutage stellen Durchblutungsstörungen in den Industriestaaten die Volkskrankheit Nummer eins dar. Als Folge kommt es zu Schmerz en, Funktionseinbußen und im schlimmsten Fall zum Absterben betroffener Zellen (Nekrosen).
Plötzlich einsetzende, gravierende arterielle Durchblutungsstörungen können dramatische Folgen haben, wie uns die Beispiele Herzinfarkt und Schlaganfall lehren.
Arterielle (= eine Schlagader betreffende) Durchblutungsstörungen können sowohl organisch als auch funktionell-vasospastisch (= überschießende Verengung infolge Zusammenziehen der Gefäß muskulatur) bedingt sein. Dabei sind fließende Übergänge wie beim Ergotismus oder dem Morbus Raynaud möglich.
Verengungen an den Arterien im
Becken und in den
Beinen
werden als periphere arterielle Durchblu tungsstörung bezeichnet.
(Periphere)
arterielle Durchblutungsstörungen führen zu
einer Stenosierung
(=
Verengung) der Blutgefäße. Die Symptome (=
Krankheitszeichen) hängen
vom Ausmaß der Stenosebildung ab, aber auch davon, wie rasch
sich diese entwickelt, denn bei langsamem Fortschreiten können sich
Kollateralen (= Gefäße, die die
Engstelle umgehen, überbrücken) bilden.
Deshalb reicht die klinische Symptomatik von einer unbestimmten Mißempfindung
in den
Beinen,
auch
Muskelkrämpfe, über die klassische
Claudicatio intermittens (=
"Schaufensterkrankheit")
bis zu
heftigsten akuten
Schmerz
en, verursacht durch eine Embolie
(= plötzlicher Verschluss eines Blutgefäßes).
Periphere
arterielle Durchblutungsstörungen gehen
mit
charakteristischen
Merkmalen einher. Dies sind bei Belastung zunehmende Schmerz en,
Blässe und Untertemperatur der Haut, abgeschwächte oder fehlende periphere (=
tastbare) Pulse, Neigung zu Nekrosen (= örtlicher
Gewebstod) und sono- bzw. angiographisch (=
Untersuchungen mittels bildlicher Darstellung der Blutgefäße)
nachweisbare organische Strömungshindernisse.
Wichtiges differentialdiagnostisches (=
was sonst noch an Krankheiten in Frage kommen könnte)
Kriterium:
(Periphere) arterielle Durchblutungsstörungen zeichnen sich
dadurch aus, daß die Schmerz en vor allem unter Belastung auftreten, in
schweren Fällen auch in
Ruhe und nachts, während bei Erkrankungen des
orthopädischen bzw. neurologischen Formenkreises ein Loslauf- und/oder
Beugeschmerz vorhanden ist bzw.
Parästhesien (=
Mißempfindungen) auftreten. Schmerz en bei
Durchblutungsstörungen
aufgrund einer chronischen
Veneninsuffizienz
(= Störung des Blutrücktransportes)
erscheinen vor allem in Ruhe nach Belastung und in der zweiten Tageshälfte
zunehmend.
Ursache für (periphere) arterielle Durchblutungsstörungen kann auch die obliterierende Atherosklerose (= zum Gefäßverschluß führende Verhärtung und Verdickung der Gefäßwand) sein. Diese Patienten weisen in der Regel die bekannten Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Nikotinabusus, Hypertonus (= zu hoher Blutdruck) und Fettstoffwechselstörungen auf. In diesem Zusammenhang ist die sog. arterielle Verschlußkrankheit zu erwähnen (AVK).
Manifestiert (= erkennbar werden)
sich eine (periphere) arterielle Durchblutung
sstörung in relativ jugendlichem Alter, vor allem bei Männern, muß bei
exzessivem Nikotinabusus (=
Nikotinmißbrauch) an eine
Thrombangitis
obliterans (= zum Verschluß führende
En tzündung
der Gefäßwand) gedacht
werden.
Ätiologisch (= ursächlich) wird
eine Autoimmunreaktion (= eine gegen
körpereigene Stoffe gerichtete Immunreaktion)
vermutet, im Unterschied zur Verschlusskran kheit
atherosklerotischer Genese (=
verursacht durch chronisch fortschreitende, herdförmige Veränderungen der Zellen der
Gefäßinnenschicht)
sind
der Komplementfaktor C4 erniedrigt und die Antielastin-Antikörper häufig
erhöht (Siegenthaler et al. 1984).
(Periphere) arterielle Durchblutungsstörungen bei Diabetikern sind meist mit einer Polyneuropathie kombiniert, die sehr häufig im Vordergrund steht. Sie äußert sich zunächst in Kribbel parästhesie n (= Mißempfindungen in Form von Kribbeln), später in brennenden Schmerz en und schließlich in Hypästhesie (= verminderte Empfindlichkeit für Sinnes- bzw. Berührung sreize). Im Gegensatz zur blassen kalten Haut bei der arteriellen Verschlußkrankheit weist ein diabetischer Fuß eine rote, häufig glänzend atrophische (= Gewebsschwund infolge Mangelernährung) Haut mit Überwärmung auf. Die periphere n Reflexe sind nicht auslösbar, und der Stimmgabeltest objektiviert eine verminderte Tiefensensibilität (= das Lage- u. Bewegung sempfinden, Vibrationsempfinden u. Zahlenerkennen).
Beim Morbus Raynaud bzw. dem Raynaud Syndrom, das häufig bei Kollagenosen (z.B. Sklerodermie (= Defekt im Immunsystem mit Bindegewebsverhärtung)) auftritt, führen Gefäßspasmen (= überschießende Verengung infolge Zusammenziehen der Gefäß muskeln) zu Durchblutungsstörungen (arterielle) im Bereich einzelner Glieder, in schweren Fällen sind auch Nekrosen (= örtlicher Gewebstod) möglich. Manchmal gelingt der Nachweis von Kälteagglutininen (= Antikörper, die bei niedriger Temperatur die roten Blutkörperchen zum Verklumpen bringen).
Schmerz en in den Armen oder Beinen wie bei der arteriellen Verschlußkrankheit, die bei üblicherweise fehlenden Risikofaktoren vor allem von Frauen im jüngeren oder mittleren Alter angegeben werden, können auf periphere arterielle Durchblutungsstörungen infolge eines Ergotismus (= entsteht durch übermäßige Einnahme von ergotaminhaltigen Medikamenten) hinweisen. Deshalb ist die Frage nach einer Migräne -Anamnese (= Migräne vorgeschichte) mit Ergotaminabusus obligat (= zwingend).
Eine Trophangioneurose als neurovaskuläres Syndrom (= Gefäße und Nerven betreffende Krankrankheitszeichen) liegt bei der Erythromelalgie (auch als Erythermalgie oder Erythrothermalgie bezeichnet) (= eine seltene Hauterkrankung, mit periphere n arterielle n Durchblutungsstörungen einhergehend) vor. Diese seltene Hautkrankheit tritt sowohl idiopathisch (= als selbständige, eigene Erkrankung) als auch symptomatisch (= infolge einer anderen Erkrankung) auf, so z.B. bei Gicht, Polycythaemia vera (= Blutkrankheit, bei der die roten Blutkörperchen vermehrt sind) oder essentieller (= ohne bekannte Ursache auftretender) Hypertonie (= Bluthochdruck). Neben paroxysmalen (= anfallsartigen), vorwiegend als brennend empfundenen Schmerz en in Händen und Füßen kommt es zu Hyperämie (= vermehrte Blutfülle) und Ödeme (= krankhafte Flüssigkeitsansammlung) in den befallenen Körperbereichen. Wärmeexposition verstärkt die Beschwerden.
Therapie der Durchblutungsstörungen (periphere, arterielle):
Im frühen Stadium
sollten ein Gehtraining und eine spezielle Gymnastik durchgeführt werden.
Gegen arterielle Durchblutungsstörungen helfen auch
Bewegung sbäder und
Unterschenkel
güsse.
Neuerdings führen wir
für den
Beinbereich zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die
Unterschenkel des
Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen
Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz
pulssynchron (= in Abhängigkeit vom Pulsschlag)
zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales Gefäßtraining. Mehr
über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de
(einfach anklicken).
Medikamentös werden immer
wieder durchblutungsfördernde Mittel wie
Naftidrofuryl, Pentoxifyllin und
Buflomedil versucht, der Erfolg ist aber, gelinde ausgedrückt, bescheiden.
Besser scheint das Prostaglandin
E1-Analogon Alprostadil (Prostavasin®) zu wirken, insbesondere in
Kombination mit kontinuierlichen Nervenblockaden
(siehe unten).
Zur Prophylaxe (= Vorbeugung) einer
arteriellen
Thrombose
(= Bildung eines Blutpfropfes in einer
Schlagader) sollten
Thrombozytenaggregationshemmer
(= Mittel, die das Verklumpen der
Blutplättchen verhindern), wie z. B.
Acetylsalicylsäure eingesetzt werden.
Wichtig ist natürlich bei Durchblutungsstörungen (periphere, arterielle) auch die Ausschaltung möglicher, auslösender Noxen (= giftigen Substanzen), die Behandlung der Grund- bzw. Begleitkrankheiten und das Management der Risikofaktoren ((z.B. Rauchen (Raucherbein !), Übergewicht, Streß, erhöhte Blutfettwerte, hoher Blutdruck)).
Operative Therapiemöglichkeiten (nur
bei höher- und hochgradigen periphere
n
Durchblutungsstörungen)
Es gibt zahlreiche chirurgische Verfahren, um die Durchblutungsverhältnisse zu verbessern.
Von den einschlägigen Fachbereichen (Innere Medizin, Chirurgie) ist bisher noch weitgehend unbeachtet geblieben, daß die moderne Schmerztherapie über sehr wirksame und nachhaltige Methoden zur Behandlung von Durchblutungsstörungen (periphere, arterielle) verfügt.
Sehr hilfreich und effektiv
sind bei schmerzhaften periphere n
Durchblutungsstörungen (arterielle) und bei allen Erkrankungen, bei denen der
Vasospasmus
(=
überschießende
Verengung infolge Zusammenziehen der
Gefäß
muskulatur) im Vordergrund
steht, sympathikolytische (=
Aufhebung eines gefäßverengenden Nervenreizes, aber auch schmerzlindernd
wirksam) Blockaden (=
Betäubungen) (die sog.
Sympathikusblockade
n), so für den Bereich des
Becken
s und der unteren
Extremitäten
(=
Beine,
insbes.
Oberschenkel) in Form einer
niedrigdosierten kontinuierlichen epiduralen
(=
rücken
marknahen) Blockade mit
Katheter.
Ebenfalls gute Resultate erzielen wir bei periphere n
Durchblutungsstörungen (arterielle) im Bereich
Unterschenkel /
Fuß mit
einer längerfristigen
kontinuierliche Blockade des Nervus ischiadicus (Klatt und Leser, 1994) (*siehe unten), da dieser Nerv auch vegetative (=
das unwillkürliche Nervensystem betreffende)
Fasern
mit sich führt.
Für den Bereich der oberen
Extremitäten
(=
Arme)
bieten sich
wiederholte Stellatumblockade
n
(=
das Ganglion stellatum ist eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
an, optimal in
kontinuierlicher Form mit Katheter (*siehe unten).
Nachdem der P lexus
brachia lis (=
Arm
nervengeflecht)
ebenfalls reich an vegetativen Fasern ist, können auch Blockaden dieses
Nerven
geflechts (*siehe unten) in gehäufter Abfolge sehr
hilfreich sein.
Bei epiduralen (= rücken marknahen) und periphere n (= nicht Rücken mark oder Gehirn betreffenden) schmerztherapeutischen Blockaden wird das lang wirkende örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) (z.B. Bupivacain) jeweils verdünnt verabreicht (je nach individueller Wirkung 0,1 bis 0,15 %ig), so daß die Motorik (= Muskel kraft) erhalten bleibt und damit therapieergänzende krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind. Die angegebene Wirkstoffkonzentration reicht für eine deutliche schmerzlindernde Wirkung aus.
* Methodenbeschreibungen
Nach einer längerfristigen Blockadebehandlung (10 bis 14 Tage) ergibt sich in den meisten Fällen, ähnlich wie bei einem Gefäßtraining, eine anhaltende Weiterstellung der Blutgefäße und damit Verbesserung der Durchblutung.
Besonders effektiv ist bei Durchblutungsstörungen (arterielle) eine Kombination dieser Blockademethoden mit einer Alprostadil - Infusionsserie.
Daß bei Durchblutungsstörungen (arterielle) die kontinuierlichen Blockaden wirklich helfen, ist inzwischen nachgewiesen, lesen Sie dazu eine Veröffentlichung der Universität Heidelberg: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2000/646/pdf/DOKTOR.pdf (einfach anklicken). Die Untersuchungen wurden teilweise an Patienten unserer Klinik durchgeführt.
Die aufgeführten Nervenblockaden eignen sich auch zur Therapie von venösen Durchblutungsstörungen.
Patienten mit Durchblutungsstörungen (arterielle) raten wir, sich vor einem Antrag auf Kostenübernahme durch Krankenkasse oder Rentenversicherung in der für uns zuständigen Schmerzpraxis (ca. 1km von der Klinik entfernt) vorzustellen. der Hintergrund ist der, daß die Kostenträger bei dieser Diagnose nicht so sehr auf den Aspekt "Schmerzen" eingehen und deshalb dann internistische, nicht primär schmerztherapeutisch ausgerichtete Einrichtungen bevorzugen. Mit einem entsprechenden Ambulanzbericht dieser Fachpraxis für "Spezielle Schmerztherapie" kann dann gezielt die Kostenübernahme für unsere Klinik beantragt werden, zumal ja, wie oben dargestellt, die schmerztherapeutischen Methoden bei dieser Erkrankung sogar kurativ (= heilend) wirken und eben nicht nur palliativ (= nur krankheitsmildernd, ohne zu heilen).
Sie wollen mit einem erfahrenen Schmerzarzt sprechen? Kein Problem, einfach jeweils an einem Mittwoch zwischen 13.00 und 14 Uhr oder Donnerstag zwischen 13.00 und 15.00 Uhr die Tel.-Nr. 07931-5450 anwählen (keine extra Gebühren).
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